| Handlung oder Gameplay? |
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| Spiele und Spieleentwicklung | |
| Sonntag, den 24. Januar 2010 um 11:37 Uhr | |
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Lange Diskussionen mit Thiemo haben mich auf nachfolgende Gedanken gebracht. Zum Einstieg sollte man vielleicht noch wissen, dass wir uns in Dingen einig sind, wenn wir sie aus der Ferne betrachten. Je näher wir eine Sache betrachten, umso größer werden die Unterschiede unserer Meinungen. Ein für uns aktuelles Thema ist die Handlung in Spielen. Thiemo ist die Handlung in Spielen sehr wichtig, meistens ist sie für ihn die Basis seiner Motivation ein Spiel zu spielen. Ich hingegen lege in Spielen kaum einen Wert darauf, mir geht es um die Spielmechanik und der Identifikation mit der Umwelt im allgemeinen. Nachfolgend möchte ich meine Position dazu untermauern. In erster Linie sehe ich ein Spiel sehr ursprünglich. Mir geht es weniger darum unterhalten zu werden sondern darum eine Mechanik zu trainieren. Das merkt man schon alleine daran, welche Spiele ich überwiegend spiele. Shooter (Quake 3, UT gegen Bots), RTS (im Gefechtsmodus), Sportspiele, Arcade, Prügelspiele. Wenn es geht, meide ich den Handlungsbereich. Zum einen, weil er mich vom wesentlichen ablenkt. Scripte, Renderszenen, Filmszenen, Unterhaltungen u.s.w. halten mich schlicht vom spielen ab, es nervt mich. Warum ich mich schlicht nicht auf die Handlung einlasse hat einen weiteren, simplen Grund: ich wüsste kein Spiel, dessen Handlung mich je begeistert hätte, nicht einmal Adventures. Handlungen in Spielen sind meistens platt, vorhersehbar, langweilig, egal wie sehr man es versucht spannend zu machen, ziemlich schnell ist für mich die Luft raus. Ich habe noch kein Spiel erlebt, dessen Handlung mich so mitgerissen hätte wie ein guter Film (Beispiel: Die üblichen Verdächtigen) oder eine spannende Serie (Beispiel: Lost). Das liegt an mehreren Gegebenheiten. Ein Spiel dauert wesentlich länger als ein Film. In einem guten Film wird man zwei Stunden berieselt, man lässt sich von der Handlung treiben und wenn es gut inszeniert ist, bekommt man eine dicke Überraschung. Man hat kaum die Gelegenheit über die Handlung richtig nach zu denken. In einem Spiel hingegen macht man Pausen, man überlegt und kommt relativ schnell auf das eigentliche Ende, wenn es nicht schon von vorne herein offensichtlich ist. Für mich entsteht hier oft Langeweile, weil mir klar ist, wie es ausgeht und ich den Rest der Spielzeit nur noch herunter spule. Bei einer Serie ist es anders, sie dauert länger als die meisten Spiele und dennoch kommen überraschende Wendungen, welche ein Spiel nie erreichen kann. Dies liegt unter anderem daran, dass eine Serie wie "Lost" von den einzelnen Charakteren, den Zeitsprüngen und den vielen kleinen Nebenhandlungen lebt. Erst dadurch entsteht eine sehr komplexe Geschichte die Raum für unerwartetes lässt. In einem Spiel ist dies kaum zu schaffen, man müsste schon alle paar Minuten in einen anderen Charakter springen und viele Nebenhandlungen erzählen. Der eigentliche Spielfluss würde noch mehr darunter leiden als er es ohnehin schon tut, wenn man versucht eine glaubwürdige Geschichte zu erzählen. Außerdem: bei einem Film, einer Serie mit guter Handlung beträgt der Fokus auf diese einen großen Teil. Die meiste Zeit wird Handlung vermittelt, der Rest besteht aus Action und Füllmaterial um eine glaubwürdige Welt zu vermitteln. Würde man in etwa das selbe Verhältnis in einem Spiel umsetzen, würde vom Spiel nicht mehr viel übrig bleiben oder ein Adventure dabei heraus kommen. Aber auch bei diesem Genre, welches von der Handlung leben sollte, gelingt dies nur in den seltensten Fällen im Ansatz spannend zu sein. Viel mehr quält sich der Spieler durch unwichtige Dialoge, schlechte Rätsel und geht viele Wege mehrfach, was zusammen für mich eine fast unerträgliche Langeweile verursacht. Das eigentliche Spiel, also die Rätsel, mag manchmal noch so gut sein, die Handlung dahinter entpuppt sich mir meist als uninspirierter, belangloser... Scheiß. Im Prinzip finde ich dies nicht schlimm. Für mich steht fest, dass sich eine fesselnde, originelle und spannende Handlung mit einem Spiel nicht vereinbaren lässt. Schlimm finde ich es, wenn es ein Spiel versucht, mich vom spielen dabei abhält und am Ende daran scheitert. Ein positives Beispiel für "so ist es gut" ist für mich "Portal". Die eigentliche Handlung ist ein Witz. Man macht bei einem merkwürdigen Experiment mit welches von einem verrückt gewordenen Roboter geleitet wird der alle Wissenschaftler zuvor getötet hat. Auch wenn dies langweilig ist und zu keiner Zeit die Handlung betreffend Spannung aufkommen will, macht das Spiel Spaß, weil es den Spieler spielen lässt. Es gibt fast keine Unterbrechungen, welche mich vom spielen abhalten. Das Spiel versucht nicht so zu tun, als gäbe es eine spannende Geschichte. Das Spiel besteht aus einer in sich glaubwürdigen Welt, einer guten Spielmechanik und der Rest versucht nur, dies zu festigen. Nicht mehr, nicht weniger. Perfekt! Als negative Beispiele möchte ich nur ein paar Titel nennen, die Liste könnte ich bis zum jüngsten Gericht ergänzen.
Das sind nur ein paar Beispiele für Spiele, die mal mehr, mal weniger Versuchen mir eine scheinbar tolle Handlung zu verkaufen, wobei Supreme Commander noch das positivste Beispiel ist, weil es auf die Handlung nicht so einen Fokus legt. Ich bekomme hier weniger den Eindruck, dass der Entwickler sagen will "Schau her, wir haben eine tolle Handlung die du spielen kannst." sondern eher ein "Wir haben ein tolles Spiel und diese Handlung erklärt ein wenig, um was es geht.". Was ist mein Fazit daraus? Sollte ein Spiel keine Handlung haben? Sollten gute Spiele nur aus der Mechanik bestehen? Sind diese Hollywood gepimpte Spiele im Laden alle Mist? Für mich ganz persönlich: zu 99% ja. Perfekt ist für mich wirklich ein Spiel, welches von der Mechanik lebt und die "Handlung" sich eher im Hintergrund hält. Sie soll kurz erklären, warum die Spielfigur überhaupt etwas macht, die Handlungen also rechtfertigen und sich dann im Hintergrund halten und mich nicht beim spielen stören. Wenn ich Spannung haben will, schaue ich mir einen Film an oder lese ein Buch, wenn ich spielen will, will ich ein entsprechendes Spiel haben und nicht von dem, was die Entwickler Handlung nennen, genervt werden. Dies ist wohl auch eines der maßgeblichen Gründe, warum ich C&C fast nie in der Kampagne gespielt habe, egal welcher Teil. Dies ist der Grund, warum ich Quake 3 so mag und Quake 4 so verachte, warum ich Half Life 2 nach 30 Minuten nicht mehr spielen will und Portal mehrfach durchgespielt habe. Letztlich aber muss dies jeder für sich entscheiden, Spieler und Entwickler. |
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