Bar jeder Vernunft
| Familienleben und Gedanken |
So nach einer Woche Berlin kann ich über unsere Hauptstadt wenig sagen. Es war eine Geschäftsreise und da habe ich wirklich kaum was von Bundestag-City gesehen. Ein Erlebnis ist es aber wert, dass ich hier darüber berichte. Mein Kollege und ich wurden in die "Bar jeder Vernunft" eingeladen und durften uns "Cabaret - Das Musical" anschauen.
Diese Bar, genauer gesagt, dieses Zelt, hat schon etwas einzigartiges. Man fühlt sich gleich wie in einer anderen Welt und es ist durchaus angenehm. Essen und Trinken sind einsprechend sehr gut, so dass es hier kaum was auszusetzen gibt. Lediglich sollte man aufpassen, wo man sitzt. Wenn man sich die Sitzplätze anschaut, kann man schon an den Preisen erkennen, wo man einen guten Platz bekommt und wo nicht. Man sollte möglichst vermeiden, ganz links in der vierten Loge von unten zu sitzen. Da hatten wir unsere Plätze und dies hatte zwei Nachteile. Wenn man zu viert am Tisch sitzt, ist es sehr bequem, es ist aber für sechs Leute ausgelegt und wenn da noch zwei dazu kommen, wird es verdammt eng. Außerdem ist das ein wirklich dummer Winkel mit Blick zur Bühne. Zwischen Sitzplatz und Bühne wird die Sicht durch einen Pfosten stark eingegrenzt. Man kann diesen Winkel etwas reduzieren, indem man über einen Spiegel an der Wand zur Bühne schaut, aber es ist ungewohnt umständlich.
Zu guter letzt sitzt man hier direkt neben der Band und bekommt zwar den satten Sound, aber die faden Stimmen auf der Bühne nicht immer mit. Die Show geht, unterbrochen durch eine kleine Pause, circa 2,5h und da ist so ein ungünstiger Platz natürlich etwas doof.
Die Show selber war erst einmal ein Schock. Ein Geschäftsessen und plötzlich turnen halb nackte Frauen auf der Bühne herum und ein Conférencier redet laufend über Sex? Hm... als dann die Handlung ihren Lauf nahm war ich erst einmal orientierungslos. So ziemlich genau die ersten 90Minuten war unklar, was diese fade Handlung, gespielt in den frühen 30ern, eigentlich soll. Es war nur selten wirklich unterhaltsam, die Lacher waren eher fad, die musikalische Qualität extrem schwankend und alles zog sich wie ein geschmackloser Kaugummi. Der erste Teil bis zur Pause mündete dann in einer Nazi Geschichte. Interessant war in der Pause, dass ich keinen gesehen habe, der sich über das Stück unterhalten hat. Irgendwie schien der Großteil des Publikums schockiert, eben so unsere Gastgeber, die selber nie in der Bar jeder Vernunft waren.
Der zweite Teil war deutlich kürzer, aber nicht viel spannender. Aus einer auf Spaß, Sex und Alkohol aufgebauten Geschichte wurde eine ernste Nazi Handlung der ich noch weniger abgewinnen konnte. Letzten Endes waren wir alle froh, als es aus war. Dabei war erst einmal die Frage völlig unklar, was die Moral der Geschichte war. Letztlich kann ich sagen, dass mir am nächsten Morgen am Frühstückstisch wirklich eine Moral eingefallen ist welche das Stück im nachhinein doch interessant wirken lässt.
Fazit: Mit besseren plätzen wäre der Abend sicherlich schöner gewesen. Es war ein Erlebnis, welches man mal gemacht haben sollte ohne zu viel zu erwarten. Wichtig: man sollte nur privat hingehen. 
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