| Arbeitskreis "No Release" |
|
| Familienleben und Gedanken | |
| Donnerstag, den 09. April 2009 um 15:25 Uhr | |
|
Kürzlich bei einer Diskussion mit Thiemo: wir unterhielten uns über Leute, die wie wir am PC vor sich hin werkeln, aber im Gegensatz zu uns nie etwas veröffentlichen. In erster Linie, um nicht vom Feedback oder der Ermangelung selbiger enttäuscht zu werden. Das brachte mich zum nachdenken.
Die Frage, warum man so etwas überhaupt macht ohne Geld damit oder einer artverwandten Tätigkeit zu verdienen, habe ich, auch hier, schon ein paar mal gestellt. Wenn ich mir den ersten Absatz genauer überlege, dann ist es blanker Zeitvertreib. In unserer heutigen Gesellschaft ist es leicht, so weit zu kommen, dass man sein Überleben sichert. Der Staat und das soziale Netz helfen schon dabei und wer auf eigenen Beinen stehen will, um sein Überleben zu sichern, kann sich einen einfachen Job suchen. Mit einer Mietwohnung, etwas Essen und Trinken kommt man über die Runden. Man hat nicht viel, aber man hat sein Überleben gesichert. Um die Evolution der Menschen weiter zu fördern, wenn man dies so möchte, sucht Mann sich noch ein Weibchen, zeugt zwei oder mehr Kinder und das war es eigentlich auch schon. Ist eventuell noch eine kleine Lebensversicherung abgeschlossen, so kann der Mann oder die Frau abtreten. Das soziale Netz incl. Lebensversicherung fangen dies auf. Ist dem nicht so, weil ggf. die Instinkte des Überlebens zu groß sind, werkelt man mehr oder minder nutzlos vor sich hin. Kurz: insbesondere bei den oben angespielten Freizeitaktivitäten vertrödelt man die Zeit bis zum natürlichen Ableben, mehr nicht. Eine "Selbstverbesserung" durch ausüben solcher Aktivitäten findet nur statt, wenn man beruflich davon profitiert und somit noch seinen eigenen Job sichert, was dem eigenen Überleben mehr Sicherheit gibt. Alles Andere ist eine Lüge. Man wird vor allem nicht besser, wenn man etwas macht, was man niemandem zeigt, da vor allem das kreative Element vom Feedback lebt. Im eigenen Saft zu schmoren war noch nie sehr hilfreich. Welchen Selbstbetrug man auch verwendet um seine Handlungen, insbesondere in der Freizeit, zu rechtfertigen: unter dem Strich kommt keine Weiterentwicklung dabei zustande. Interessanter weise trifft dies nicht nur für ein Hobby zu, sondern auch oft zum Beruf. Wie heißt es in Fight Club so schön? "Wir machen Jobs, die wir hassen! Kaufen dann Scheiße, die wir nicht brauchen!". Das trifft es sehr gut. Wir werden jeden Tag mit Müll zugeschüttet, ob in Form von Informationen oder in Form von Ware. Das alles soll nicht nur den Motor "Kapitalismus" antreiben sondern uns bei Laune halten. Die Zeit bis zum Tod vertrödeln, vielleicht, weil ein toter Konsument nun mal keiner mehr ist. Der Bereich Hobby ist, wie erwähnt, der extremste Bereich, weil der Status des gesicherten Überlebens erreicht wurde. Doch auch bei vielen Berufen stellt man sich die Frage nach Sinn, nach einer höheren Bedeutung. Sicherlich sind wir alle kleine Rädchen in der Gesellschaft ohne die das System nicht funktionieren würde. Selbst Politessen gehören dazu. Dennoch drängt sich mir die Frage auf, ob das System noch stimmt? "Erst nachdem wir alles verloren haben, haben wir die Freiheit, alles zu tun." Ebenfalls ein Zitat aus Fight Club, den ich mittlerweile nur teilweise als richtig erachte. Richtig ist, dass man alle Freiheiten erlangt, wenn man alles verloren hat. Man ist an nichts und niemanden gebunden. Was aber bringt einem die Freiheit in einer Welt, in der man sein Überleben schon mit fast nichts tun sichern kann? Taten seiner selbst willen? Warum? Wir haben keine großen Aufgaben mehr. Es gibt keinen großen Feind mehr, keine große, gemeinsame Ziele. Wir sind nur noch Konsumenten. Für alle, die sich damit nicht besonders wohl fühlen einfach nur zu konsumieren, gibt es die Scheinwelten in denen man so tut, als würde man etwas machen, etwas sinnvolles. Dabei macht man, wie oben beschrieben, nichts anderes als Zeit vertrödeln, bis zum Tod. Dieses System, welches einen so lange bei Laune hält bis man keine größeren Ansprüche stellt, ist geschickt. Es ist so geschickt, dass es die meisten von uns vom Freitod abhält. Crest nicht. Er hatte seine eigene Einstellung zum Leben, welche sich mit meiner nicht unbedingt deckt. 2007 hat er die für sich selber einzige logische Konsequenz gezugen. Selbstmord. Der Mensch als Individuum war schon früher meist Bedeutungslos. Nur wenige sind auserwählt in den Geschichtsbüchern verewigt zu werden. Diese Namen sind aber mit Taten verbunden welche ohne die Mithilfe von vielen nicht möglich gewesen wäre. Somit ist die Lebensleistung der Einzelnen doch irgendwie verewigt und bedeutungsvoll. Mir ist derzeit kaum etwas "modernes" bekannt, wo dies noch zutreffen mag. Selbst moderne Bauwerke verlieren so schnell an Bedeutung wie noch nie. Die Frage ist, was man dagegen tun kann? Revolution? Dafür sind wir doch viel zu träge. Wir regen uns alle mehr oder minder über Entscheidungen von oben auf, aber wer geht, insbesondere in Deutschland, noch für etwas auf die Straße? Die Evolution hat aber immer wieder gezeigt, dass sich Veränderungen am besten durch eine Katastrophe einleiten lassen. Damit meine ich nicht die mehr oder minder lächerlichen Wirtschaftskrise (für welche eine Revolution incl. dem anzünden der meisten Banken gerechtfertigt wäre) sondern eine vom globalen Ausmaß, wie es im Mittelalter die Pest war oder wie es eine extreme Klimaänderung sein könnte. "Erst nachdem wir alles verloren haben, haben wir die Freiheit, alles zu tun." Das passt noch bessser auf die Gesellschaft als auf einzelne Personen. Der Einzelne wird mit Verpflichtungen und Auflagen geknebelt, eingelullt und verblendet. Wenn aber die Gesellschaft, das ganze System in sich zusammen bricht, wird sich, sofern ein Wiederaufbau noch möglich ist, vielleicht auch etwas ändern. "Projekt Chaos" vom globalen Ausmaß. Das schlägt in genau in die Kerbe, welche ich schon immer vertreten habe: "Fortschritt durch Kampf!". Zurück zum Anfang. Warum also sollen wir insbesondere in der Freizeit noch etwas tun? Um das System am leben zu erhalten? Sollen wir tatsächlich etwas fördern, was die Menschheit zur Degeneration treibt, was uns zu willenlosen Werkzeugen ohne eigene Meinung macht? Letztlich ist es egal. Wenn wir eines erkennen können, dann das der Einzelne in unserer Welt nichts wirklich ändern kann. Das galt für den gemeinen Bürger schon immer, wie früher für Sklaven. Nichts anderes sind wir heute auch, nur haben wir statt Ketten eine umzäunte Scheinwelt auf der Plakate mit "Freiheit" drauf steht, mehr nicht. "Der Mensch kann zwar tun, was er will, aber er kann nicht wollen, was er will." Das sagte bereits Schopenhauer. Leider, so muss man feststellen, stimmt dies. Entscheidungen die wir treffen, kommen nicht von unserem Bewusstsein sondern vom lymbischen System. Dieses wurde im laufe unseres Lebens entsprechend trainiert. Die Entscheidungen, bei welchen wir glauben sie selber gefällt zu haben sind das Produkt von Konditionierung und Erfahrung. Das lymbische System sagt uns, wo es lang geht. Nach der Entscheidung machen wir nichts anderes, als diese zu rechtfertigen. Die Konditionierung des lymbischen Systems kommt von unserem gesellschaftlichen System. Werbung, TV Sendungen, Radio, Internet und Zeitung sagen uns laufend, was wir toll finden sollen. Sie wecken in uns Begehrlichkeiten welche wir anschließend rechtfertigen. Wenn man dies weiß, begreift man vielleicht die Dramatik besser, aber es ändert nichts daran, dass wir aus diesen Fesseln nur schwer wieder heraus kommen. Vielleicht ist aus diesem Grund die einzig sinnvolle Lösung dennoch auszuharren und zu hoffen. Zu hoffen, dass eines Tages doch alles zu Grunde geht, man dies miterlebt und bei einem Neuaufbau entscheidender mitwirken kann, etwas bewegen kann. So ähnlich müssen schon früher die Sklaven gedacht haben. Prinzip Hoffnung. |
|
Hauptmenü
Artikel
Projekte
Bildergalerie
Aus dem Forum
- Aw: Alternativen zu Developia
Sven 22.7.2010 4:34 - Aw: Autorensystem für die Spieleentwicklung
Sven 22.7.2010 4:33 - Aw: Sorades 2008 unter win7 abgestürzt
thiemo 21.7.2010 11:06 - Aw: Netzwerkfunktion?
Sven 27.6.2010 12:31 - Aw: Ideen und Wünsche für einen zweiten Virus.
Sven 31.5.2010 21:00




























