Unsterblichkeit

Familienleben und Gedanken

In einem mal wieder längerem Gespräch mit Thiemo haben wir ein wenig über den Sinn des Lebens philosophiert. Dabei kamen wir auf das für uns beide nicht ganz unwichtige Thema "Unsterblichkeit". Dabei meinen wir aber nicht, dass wir körperlich ewig weiter Leben und auch keinen Jungbrunnen sondern wir unterhielten uns darüber, wie man sich mit Taten unsterblich machen kann.

Hier ein paar Gedanken dazu.

Wenn man sich überlegt, wie viele Milliarden Menschen es gibt und seit der Entstehung der Menschheit gegeben hat, muss man feststellen, dass es nicht viele zur Unsterblichkeit gebracht haben. Unsterblich sind für mich Menschen, welche durch ihre Taten zu Lebzeiten so viel vollbracht haben, dass man sich heute noch an sie erinnert. Sicherlich haben es viele tausende in die Bücher geschafft, aber es gibt nicht viele, welche unser Weltbild grundlegend verändert haben oder welche, die etwas geschaffen haben, was wir heute noch sehen.

Zur Verdeutlichung ein paar Beispiele. Die Liste ist noch um einiges länger, aber sei es drum.

Jesus, Mohammed und Buddha. Diese drei haben Weltreligionen erschaffen welche bis Heute Bestand haben und die Welt regieren. Sicher hätten diese drei niemals daran geglaubt, dass man ihre Worte noch in tausenden von Jahren lesen wird, wenn auch mit Sicherheit in verdrehter und angepasster Form.

Alexander der Große, Caesar und Qin Shihuangdi (der erste Kaiser von China) erschufen Weltreiche, dessen Ausmaße man heute noch erkennen kann. Die chinesische Mauer ist nur ein kleines Beispiel.

Die Pyramiden in Ägypten stehen heute noch und man weiß von den meisten altägyptischen Bauwerken heute noch, wer diese gebaut hat bzw. bauen ließ.

Über die Kunstwerke eines Rembrandt van Rijn, Pablo Picasso, Wolfgang Amadeus Mozart oder Leonardo da Vinci reden und diskutieren wir heute noch, obwohl diese Menschen schon lange tot sind.

Wissenschaftler wie Archimedes, Isak Newton oder Albert Einstein haben Dinge erfunden oder Entdeckt, auf denen ein Großteil unseres heutigen Wissens basiert. Ohne einen Michael Faraday, Erwin Schrödinger oder Werner Heisenberg wären heute viele Dinge nicht mehr vorstellbar.

Ich bin mir sicher, dass die zwei oder drei Leser dieser Zeilen nahezu alle Namen kennen und genau das ist ja auch das besondere an diesen Menschen gewesen. Wir reden heute noch über sie, obwohl sie teilweise schon seit Jahrhunderten oder Jahrtausenden tot sind.

Der durchschnittliche Hans hingegen zeugt eventuell ein bis 3 Kinder und ist zwei Generationen später vergessen, außer er hat einen Schuppen im Garten gebaut worüber sich der Urenkel aufregt, wenn er das Grundstück verkaufen will. Je mehr Menschen wir auf der Erde werden, je moderner unsere Welt wird, umso schwieriger scheint es diese Unsterblichkeit zu erlangen. Sicherlich war es nur der Wunsch weniger etwas zu schaffen, woran man sich lange erinnern wird. Einstein saß wohl kaum in seinem Zimmer und dachte sich "Ich erfinde eine Formel worüber man noch 100 Jahre reden wird.". Allerdings wird es jetzt für einen Einzelnen wirklich schwierig. Eine Bahnbrechende Erfindung zum Beispiel wird kaum noch von einem einzelnen Menschen geschaffen. Da steht meistens entweder ein Team oder ein großer Konzern dahinter, welcher Milliarden in ein Projekt pump, welches am Ende vielleicht sogar scheitert.

Wer meint, mit Sport könnte man noch halbwegs so etwas wie Unsterblichkeit erreichen, der irrt. Die Rekorde von Michael Schumacher zum Beispiel wird in 50 Jahren nur noch Zeitzeugen und eingefleischten Fans ein Begriff sein. Trotz aller Leistungen sind solche Rekorde aber nichts von Bestand. Es ist keine Kunst, die man sich anschauen oder anhören kann, keine Tat welche das Leben anderer maßgeblich beeinflusst.

Auch als Künstler hat man es heute nicht mehr so einfach. Musik kann heute fast jeder Trottel machen, wie wir jedes Jahr im TV "bestaunen" können. Bilder, Animationen, Filme, davon gibt es einfach zu viele, als das wirklich etwas heraus ragen könnte, wie einst die Bilder eines Albrecht Dürer. Es ist also auch gut zu wissen, dass sich an einen Dieter Bohlen in 100 Jahren keiner mehr erinnern wird.

Auch politisch ist es nicht mehr so einfach. Während man vor 70 Jahren noch als Versager aus Österreich nach Deutschland kommen konnte um die Weltherrschaft an sich zu reißen, wird dies wohl nicht mehr zu wiederholen sein.

Die Frage ist und bleibt also, wie man etwas erschaffen kann, dass einen selber weit überlebt? Texte und Gedanken im Internet halten höchstens so lange, wie man die Servergebühren bezahlen kann. Gute Ideen gehen einfach in der Masse von Müll unter. Außerdem ist unsere Welt auch viel zu schnell, um sich mit gut durchdachten Dingen zu befassen.

Der Leser erwartet nun nach so einem langen Text eine Lösung. Eine wirkliche Lösung habe ich nicht, aber einen weiteren Gedanken, einen Ansatz. Neben den oben genannten Gruppen der Berühmtheiten und Unsterblichen gibt es noch eine unrühmliche Minderheit. Die Serienkiller. Über Jack the Ripper reden die Menschen heute noch, auch wenn man immer noch nicht genau weiß, wer dieser Mensch war. Ted Bundy, Gilles de Rais und Fritz Haarmann haben so viele schreckliche Dinge getan, dass sie nicht nur in einem Lexikon stehen sondern es Filme und Bücher über sie gibt. Das ist zwar immer noch kein Vergleich zu Einstein oder Jesus, aber vielleicht die letzte Hoffnung für Geisteskranke.

 

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