Deutschland im Februar 2007
| Fußball |
Vor einem Jahr war die deutsche Nationalmannschaft auf dem 19. Platz der FIFA Weltrangliste. Genau ein Jahr, eine mehr oder minder erfolgreiche Fußball WM und einige gute Freundschaftsspiele später, befinden wir uns auf den sagenhaften fünften Platz.Der eigentliche Vater dieses Erfolges ist, wie könnte es auch anders sein, der allseits beliebte Gerhard Mayer-Vorfelder!
Diesem Gerhard Mayer-Vorfelder, Freunde nennen ihn nur MV, Suffi oder "Wer hat mein Bier geklaut?", war der Vater und Befürworter der "Idee Klinsmann". Es bedarf schon einer sagenhaften Fähigkeit zu erkennen, dass gerade dieser Klinsmann, dieser Noob unter den Trainern die deutsche Gurkentruppe zu einer festen Größe im Weltfußball zu machen. Ok, Griechenland ist bei der EM 2004 Europameister geworden und wir bei der WM im eigenen Land nur dritter, aber der Vergleich zählt nicht, da wir von Italien bei der WM betrogen wurden (ich sage nur Frings).
Wie auch immer, wir sind auf Platz 5 in der FIFA Weltrangliste. Platz 5, das ist also der Platz hinter Blech. Die FIFA Weltrangliste hingegen ist genau die Liste, welche keinen Wert hat, wenn Deutschland ziemlich weit hinten steht, wie etwa Platz 19 im Februar 2006. Damals sagte man noch, die Berechnung der Weltrangliste sei höchst fragwürdig. Sehen wir auch alle ein, so lange Holland vor uns steht. Aber jetzt? Platz 5? Zwei Plätze VOR Holland? Das kann sich sehen lassen! Zumal zwischen Holland und Deutschland noch die chronischen Elfmeter Versager, die Engländer stehen. Vor uns, da stehen mit wenigen Punkten Vorsprung Frankreich, Argentinien, Italien und Brasilien. Das gibt natürlich den Kritikern der FIFA Weltrangliste recht. Eine ungeschriebene DFB Regel besagt ja, dass diese Liste Betrug ist, so lange nicht Deutschland ganz vorne ist, aber lassen wir das.
Diesem Gerhard Mayer-Vorfelder haben wir aber viel zu verdanken. Er hat Klinsmann nicht nur Erfunden, er hat diese Idee bis zum Erfolg getragen. Klinsmann durfte alles machen, wie er lustig war und wurde immer unterstützt. Pausenlos Flüge nach Florida auf DFB Kosten, so dass der Bierhoff für die Bolzplätze schon saufen musste (eigentlich ein Job für Gerhard Mayer-Vorsäufer), aber egal. Der Erfolg, der dritte Platz im eigenen Land, gab ihm recht. Gut, 1974 wurden wir Weltmeister, 1958 in Bern, also fast im eigenen Land auch. 1990 in Italien, dass ist ja im Sommer schon "Deutschland 2" haben wir es auch geschafft. 2002 in Japan wurden wir zweiter und Japan war mal in den 40ern auch so etwas wie "eigenes Land", aber gut, wir freuen uns wie blöd über den dritten Platz. Warum eigentlich?
Die Freude kam nicht durch den dritten Platz, auch nicht durch das mehr oder minder kopflose Spiel nach vorne, sie kam, weil hier keiner auch nur an das Achtelfinale geglaubt hat, außer eben Gerhard Mayer-Vorfelder. Der hat das seinem Schwabenfreund Klinsmann so lange eingetrichtert, bis er auch daran geglaubt hat, zumindest lachend. Der Glaube, so wissen wir, versetzt Berge. Zwar nicht Italien in der Verlängerung, aber Berge. Die Stimmung vor der WM war ja so etwas von am Boden. Wir freuten uns auf Brasilien, auf einen Rooney im Gips, darauf, das die Türken nur Zuschauer waren, aber auf Deutschland freuten sich eben so wenige wie auf Italien, über die freut sich keiner.
Gut, wir hatten wie eigentlich immer eine leichte Gruppe die wir, ebenfalls wie immer, vorher schön aufgebaut haben. Was haben wir darüber geredet, was für eine Fußballmacht Polen oder Ecuador eigentlich sind. Kahn durfte nur zuschauen, die Abwehr ein Trümmerhaufen, im Sturm nur Blindgänger, das Mittelfeld voller unmotivierter, unterbelichteter Vollidioten. Heute will das keiner mehr wahr haben, aber Ostern 2006 haben alle so gedacht, außer Gerhard Mayer-Vorfelder, natürlich. Jetzt, ein Jahr später, sind wir aber wieder Weltspitze. Lehmann ist eine lebende Legende, Ballack mischt die englische Liga auf und Schweini darf mit Poldi in München kuschelnd. Die deutsche Fußballwelt ist in Ordnung, weil wir alle fest daran glauben, dass wir die EM 2008, die WM 2010 usw. bis in alle Ewigkeiten gewinnen werden. Was aber in der Zeit Klinsmann und später bei Löw einen verwundert, sind die ganzen Talente die wir haben. Lauter junge durchtrainierte Supertalente haben wir. Die gab es zu Völlers Zeit noch nicht, die hat der MV mit dem Klinsmann direkt auf Kalifornien einfliegen lassen. Was einen dabei verwundert ist, dass diese Spieler in der Nationalmannschaft eine Leistungsexplosion haben, in der Bundesliga aber mehr schlecht als recht über den Rasen flitzen.
Früher war das noch ganz anders. Ein Ulf Kirsten, ein Bobic, Martin Max und viele andere waren im Verein begnadete Spieler, bei der Nationalmannschaft konnte man sie aber nur selten ertragen. Heute? Da ist das alles anders. Da rennen die wie bekloppt, pausenlos und die Zuschauer flippen aus und reißen sich vor lauter Freude die Trikots vom Leib. "NIMM MICH, SCHWEINI!" haben letztes Jahr noch Millionen von Menschen geschrien, vom Teen über die Hausfrau, der Busfahrer bis hin zu MV und Klinsmann. Die Leute sollten Schweini gegen Mannschaften wie Bielefeld oder Aachen sehen, da würden aber die Bierflaschen fliegen.
Nach diesem tollen Jahr haben wir MV und Klinsmann verloren, aber der Geist, die Weitsicht und natürlich die Mannschaft bleiben. 2007 war ein Traumstart mit einem 3:1 gegen die Schweiz. Es wird auf jeden Fall so weiter gehen, oder?
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